Canon EOS R – ein Erfahrungsbericht

Die Ausgangssituation

Bisher habe ich die Canon 5D Mark II und eine Canon 6D genutzt und war immer sehr zufrieden. Dennoch haben mir ein paar Dinge gefehlt: der lautlose Verschluss zum Beispiel. Und manchmal schaute ich neidvoll zu Tiffi, die mit dem Fokussystem ihrer Fuji-Kameas nie die Probleme gehabt hat, die ich zuweilen mit dem Phasenautofokus meiner Canons hatte.  Das wars im Grunde auch schon.
Im Nachhinein muss ich zugeben, dass es mich am Meisten gestört hat, dass man als “Spiegelkamerabesitzer” vom “Spiegellosen Lager” fortlaufend bedauert wurde. Gerade so, als würde man die Fotos aus einer Canon erst selbst ausmalen müssen.

Als Canon dann im Herbst 2018 die EOS R heraus brachte, war ich ersteinmal enttäuscht: scheinbar teuer und die Kritiken waren auch nicht wirklich euphorisch (obwohl sich die technischen Daten neben der 5D Mark IV nicht verstecken müssen und in einigen Punkten diese sogar toppen).
Jedenfalls war ich kurz vor Weihnachten soweit, dass ich Canon den Rücken kehren wollte, um Tiffi ins Fuji-Lager zu folgen.

Zum Glück habe ich keinen Systemwechsel vollzogen und mir stattdessen vor ein paar Tagen doch die Canon EOS R gekauft.

Canon EOS R + Sigma 105mm F/2.8 DG Macro, Blende 2.8, Iso 5000
Canon EOS R + Sigma 105mm F/2.8 DG Macro, Blende 2.8, Iso 5000

Erste Erfahrungen

Heute habe ich die neue Kamera das erste Mal in der (Zoo~)Wildnis getestet. Das Wetter war mies, alles grau in grau und Dauernieselregen. An der Canon hatte ich das Sigma 105mm F/2.8 DG Macro – nicht meine beste Linse, aber ein guter Kompromiss, zwischen den Anforderungen, die so ein Zoobesuch stellt.

Im Zoo habe ich einige Stunden mit der Kamera verbracht und wenn ich mir jetzt die Fotos ansehe, muss ich sagen: bei Canon zu bleiben, ist für mich der richtige Weg gewesen. Die Kamera machte richtig Laune, die Bilder überzeugen mich, trotz bzw. obwohl das Wetter und das Licht so schlecht waren.

Canon EOS R + Sigma 105mm F/2.8 DG Macro, Blende 2.8, Iso 2500
Canon EOS R + Sigma 105mm F/2.8 DG Macro, Blende 2.8, Iso 2500

Die Technik auf dem Prüfstand

Der Ausschuss der Bilder (Fokus) ging gegen null. Die ISO Performance ist hervorragend, das lästige Farbrauschen meiner 5D Mark II und 6D ist komplett verschwunden.

Der Adapter EF auf RF funktioniert einwandfrei. Bei den Objektiven, mit denen ich zuvor die Focusjustierprobleme hatte, sitzt der Fokus genau dort, wo ich ihn haben will.

Am elektronischen Sucher wüsste ich nichts auszusetzen. Auch schnelle Schwenks nimmt er mit, ohne dass da etwas zieht oder flackert.

All die Features, die ich an unseren Fujis so mag, finde ich nun auch an der neuen Canon R.
Was den fehlenden zweiten Kartenslot betrifft: Das stört nicht weiter. Denn die Kamera synchronisiert auf Wunsch jedes Bild sofort per Funk mit einem beliebigen Gerät – Handy oder Laptop. Und im Falle eines Geräteverlustes, wäre diese Sicherungsoption dem Dualslot sogar überlegen.

Zusätzlich zum Fokuspeaking gibt es eine weitere Hilfe, die beim manuellen Fokussieren assistiert. Dieses Feature macht richtig Spaß. Es ist aber schwer zu beschreiben, vielleicht führe ich das später noch einmal aus.

Canon EOS R + Sigma 105mm F/2.8 DG Macro, Blende 2.8, Iso 1600
Canon EOS R + Sigma 105mm F/2.8 DG Macro, Blende 2.8, Iso 1600

Warum Canon behauptet, eine Akkuladung der Kamera reicht nur für 360 Bilder, kann ich nicht ganz verstehen. Trotz Temperaturen um die 5 Grad hatte der Akku nach 4 Stunden Zoo und “dauer an” immer noch eine Restleistung von 80%. Natürlich hab ich nur ca. 80 Fotos gemacht, aber die Displays liefen gemäß meiner Einstellungen mit 3 min Auto-off durchaus längere Zeit und die brauchen ja nun bekanntlich den meisten Strom.

Ich beende jetzt mal diesen Bericht, werde ihn an anderer Stelle später sicher noch fortführen

Canon EOS R + Sigma 105mm F/2.8 DG Macro, Blende 2.8, Iso 4000
Canon EOS R + Sigma 105mm F/2.8 DG Macro, Blende 2.8, Iso 4000

Mein Schlusswort:

Mag sein, dass Canon sich viel Zeit gelassen hat, mit dem Spiegellosen Vollformat. Aber was sie jetzt raus gebracht haben, ist für mich ein Volltreffer und ich kann weiterhin meinen Objektivpark nutzen und muss nicht mit großen Verlusten verkaufen.
Wer Canon Kameras, den Bildstil und das Bedienkonzept immer mochte und aus diversen verständlichen Gründen zum Beispiel zu Sony geschielt hat, dem kann ich sagen: die EOS R könnt Ihr guten Gewissens kaufen. Sie ist richtig toll und reiht sich nahtlos in all das ein, was man an Canon liebt und gewohnt ist. Und sie bringt die Features mit, um die man vielleicht manch anderen Hersteller beneidet hat.

Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf den ersten professionellen Einsatz mit meiner neuen Kamera.


6 Replies to “Canon EOS R – ein Erfahrungsbericht”

  1. Marc

    Hallo André, ich kann deine Euphorie verstehen. Mir ging es ganz genauso.
    Nach 8 Jahren 5D MII musste es etwas neues werden. Dabei Vollformat bleiben. Und meine Objektive wollte ich ohne Einschränkung weiter nutzen.
    Deshalb hatte ich mich schon recht intensiv mit Sony befasst und getestet.
    Hatte trotzdem noch etwas Bauchschmerzen – weil der recht teure Objektivadapter nicht alle Objektive unterstützt und man generell Performanceeinbußen in Kauf nehmen muss.

    Und genau zu diesem Zeitpunkt stellt Canon die EOS R vor. Alles funktioniert so, wie ich es mir vorstelle. Schnell und präzise. Der Dynymikumfang ist ein Quantensprung ggü. der 5D MII. Der EVF um Längen besser als bei meiner kleinen Fuji X30 – und den fand ich schon gut.

    Das Einzige, was mich ein wenig enttäuscht hat, ist der fehlende IBS. Meine Objektive haben keinen IS – und das wäre das Sahnehäubchen gewesen. Zumal Nikon und Sony das verbauen.

    Da ich aber zu 90% Architektur und mit Stativ fotografiere, kann ich auch ohne ganz gut leben.

    Dann noch viel Spaß mit deiner R. Ich bin damit sehr zufrieden.

    Viele Grüße

    Marc

    • fotografie

      Hallo Marc, vielen Dank für Deinen Kommentar. Huch, den fehlenden Bildstabilisator habe ich in meinem Beitrag ganz vergessen, was wohl daran liegt, dass ich ihn auch bisher nie vermisst habe. Daher war er für mich auch kein Kaufkriterium.
      Einzig an meinem 70-200 benötige ich einen, an allen anderen Objektiven, so sie denn darüber verfügen, habe ich ihn sogar deaktiviert. Gespannt bin ich aber noch auf die Videofunktion der EOS R, da wir in den letzten Monaten immer wieder kleine Filmchen gedreht haben und mittlerweile sogar über einen Gimbal verfügen. Das wird nochmal spannend.

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